DiE
Deutschlehrende in der Erwachsenenbildung

Was wir wollen


Wir wollen gute Unterrichtsqualität bieten und uns und unsere Familien mit unserer Arbeit ernähren können.


Qualität erfordert aber ausreichende Vor- und Nachbereitungszeit (individuelle Arbeitsblätter, Aufgaben und Spiele erstellen, vervielfältigen, vorbereiten und schriftliche Aufgaben korrigieren etc.), die wir teilweise überhaupt nicht, oder zumindest nur in völlig unzureichendem Maße, zugestanden bekommen

Unterricht bedeutet mit den Lernenden zu interagieren und nicht, an sie Aufgaben zur stillen Beschäftigung zu verteilen, um währenddessen anderen Tätigkeiten nachgehen zu müssen.

Denn Arbeitsblätter allein ausfüllen oder Vokabeln auswendig lernen, können, wollen und sollen die Kursteilnehmenden zuhause tun, während in der Kurszeit erklärt, Fragen beantwortet, individuelle Alltagsthemen besprochen und gemeinsam Unterrichtsziele erarbeitet werden sollten.

Doch unter den gegebenen Umständen ist das nicht möglich. Zumindest nicht ohne ein unglaubliches Pensum unbezahlter Überstunden und dadurch rasch auszubrennen...


Die vielen administrativen Pflichten und die vom AMS an die Kursinstitute ausgelagerten Aufgaben, wie die Erstellung von Lebensläufen nach exakten Vorgaben samt Fotos, das Anlegen von E-AMS-Accounts für alle Teilnehmenden, die „Strafverfolgung“ unentschuldigter Fehlzeiten, Folgekurs-Checks, das Erstellen individueller Informationsblätter zu Folgekursen und das Nachvollziehen der Gesamtanzahl in Anspruch genommener zusätzlicher religiöser Feiertage, sind während der ohnehin für das Erreichen der Zielvorgabe (= Bestehen einer Prüfung) viel zu knapp bemessenen Unterrichtszeit nicht zu schaffen.

Deshalb müssen wir sie großteils außerhalb der bezahlten Arbeitszeit erledigen. 
Außerdem sind es meist Kursberichte, Lernfortschrittsdokumentationen, das Ausfüllen der unzähligen Formulare (z.B. des Europäischen Sozialfonds), Feedbackbögen, Exkursionsberichte und -abrechnungen, die wir großteils in unserer Freizeit erstellen.

Wir als Sprach-, Alphabetisierungs- und BasisbildnerInnen sollen und wollen die Werkzeuge vermitteln, die die Teilnehmenden brauchen, um Arbeit zu finden und ein unabhängiges Leben als gleichberechtigtes Mitglied dieser Gesellschaft führen zu können. Dafür sollen die Lernenden
diese Gesellschaft kennenlernen und verstehen.
Dazu erscheint es uns durchaus wertvoll, ihre Gesetzgebung mit den realen Verhältnissen, sowie ihre Vielfalt mit aufzuzeigen.
Den Unterricht für darüber hinausgehendes zu instrumentalisieren, nimmt ihm aber wichtigen Raum für fachliche Inhalte, was uns und unseren Lernenden, durch die ohnehin viel zu geringen Kurslaufzeiten, zusätzlichen Stress bereitet.
(Mit der Frage zu Sinnhaftig- und Menschenwürdigkeit bestimmter Vorgaben fachfremder Unterrichtsinhalte beschäftigen sich einige von uns in anderen Initiativen und Organisationen.)


Die Lernenden sind Menschen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten, Voraussetzungen und Bedürfnissen. Viele von ihnen befinden sich in schwierigen sozialen Verhältnissen, stehen unter großem Druck durch gesetzliche Ultimaten, leben unter teilweise unvorstellbaren Bedingungen. Individuelle Probleme, wie psychische Erkrankungen und Kriegstraumata, Verletzungsfolgen und Krankheiten, finanzieller Verschuldung, Obdachlosigkeit, politischer Verfolgung und gesellschaftlicher Ausgrenzung nehmen unweigerlich Einfluss auf das Kursgeschehen und bergen ein hohes Konfliktpotential.

Für uns stellt das eine zusätzliche, teilweise hohe psychische Belastung dar und fordert auf Dauer sehr, sehr viel Kraft.


Die überwiegend extrem heterogenen Lerngruppen bedürfen eines besonders hohen Aufwands an Vor- und Nachbereitung mit verschiedenen Aufgabenniveaus und Materialien für ein und dieselbe Unterrichtseinheit.

Das dauert wesentlich länger als uns von den Arbeitgebern dafür zugestanden wird und nimmt deshalb einen großen Teil unserer Freizeit in Anspruch.

Dadurch sind viele von uns nicht nur frustriert, sondern auch überarbeitet, erschöpft und ausgepowert.


Und daher ist die Quote an Krankenständen und Burnouts in unserer Branche extrem hoch.

Die großteils profitorientierten Institute wollen ihre Gewinne maximieren und Ausfälle müssen deshalb von den KollegInnen kompensiert werden, die dann häufig mehrere Gruppen gleichzeitig betreuen oder 9 Stunden am Stück unterrichten. Hier schließt sich ein Teufelskreis.


Ursache der Dumpinglöhne und miserablen Bedingungen ist die Sparpolitik des Staates, der sich abputzt, indem er die Verantwortung auf den „freien Markt der Träger“ abschiebt, gleichzeitig aber einziger Auftraggeber ist.
Privatwirtschaftliche Unternehmen mit dem einzigen Ziel der Profitmaximierung sollen die Aufgaben von Bildung und Integration,
einschließlich der neu eingeführten „Wertevermittlung“, übernehmen.
Obwohl Milliarden von Steuer- und Arbeitslosenversicherungsgeldern ausgegeben werden, sind so, statt Qualität, Quantität und Kostenersparnis das Hauptziel. Dafür scheffeln die "freien Bildungsträger" maximale Gewinne auf Kosten der Lehrenden, Lernenden und im Endeffekt aller BürgerInnen.


Doch die öffentliche Hand als Geld- und Auftraggeber (AMS oder ÖIF) argumentiert, dass die Gewerkschaft einen schlechten Kollektivvertrag verhandelt hat. Weder die Politik noch die Gewerkschaft fühlt sich zuständig. Denn das Low-Budget-System auf den Schultern motivierter Lehrkräfte funktioniert bisher für sie zufriedenstellend.


Solche Verhältnisse sind unfair und so nicht länger hinnehmbar. Es muss sich dringend etwas daran ändern.

Wenn du auch dieser Meinung bist, schließ dich uns an!
Diskutier mit, komm zu Treffen, lass uns gemeinsam Strategien und Möglichkeiten ausarbeiten und beteilige dich an Aktionen!

 

Wir freuen uns auf dich.